Geschichte des Hofgutes Winzerla
Wir sind bemüht, Wissenswertes aus den uns vorliegenden Quellen des gesammelten Schatzes der Familie Spillmann korrekt darzustellen. Wir freuen uns jederzeit über weitere Informationen und Ergänzungen von Zeitzeugen oder alten Berichten.
Winzer - la
Die Endsilbe ...la steht für Quelle d. h. Winzerquelle.
Das Wasser
In alten Berichten wird Winzerla jedoch auch als schmuckloser Hof beschrieben, dessen Wasser "für Mensch und Vieh ungenießbar" sei.
Der Wein
Die nach Süden gelegenen Muschelkalkhänge eigneten sich scheinbar für den Weinanbau. In Überlieferungen tauchen später dazu nur die Hänge am Goldberg auf, etwas östlich von Winzerla.

Das Wappen
Von Spillmanns stammt das Wappen des Hofgutes.
Helge Spillmann klopfte außerdem gerne Sprüche und versah die Fachwerkbalken der Häuser mit Bibelversen.
Das Rittergut
Hofgut Winzerla wird auch als Rittergut bezeichnet. Vermutlich handelte es sich um eine Außenstelle für den landwirtschaftlichen Betrieb.
Schadenfeuer
Über die Jahre gab es mehrere Schadenfeuer in Winzerla, die die Gebäude wie den Rittersaal komplett vernichteten.
Kartografien
Aus dem Staatsarchiv Altenburg, Karten- und Plansammlung Orlamünde, 1830 und 1832
Vor langer Zeit
Bildmaterial aus dem Fundus
Vom Epitaph des Hans Heinrich (Juncker von Keszeler) von 1588 an der Kirche zu Orlamünde bis hin zu den Kindern der Familie Antemann in Winzerla.
Detaillierte Geschichte von Winzerla
Winzerla ist ein kleiner Weiler, der zu Orlamünde gehört
1083
erfolgte die urkundliche Ersterwähnung des Ortes bzw. des Hofgutes
Diese deckt sich mit denen der Orlamünder Grafen und ihrer Burg. Dem Namen nach war der Weiler ein Weingut des Orlamünder Herrschergeschlechtes. Das nach Süden flach geneigte Hochplateau zum Saaletal auf muschelkalkverwitterten Boden wird durch den steilen Hopfenberg im Norden geschützt, was für diese These spricht.
1388
Familienbesitz der von Kessel zusammen mit dem Sedelhof Zeutsch
(auch Keßeler, Keßlar, Kessil)
Hier wurde Weinbau, Teichwirtschaft, Obstanbau, Feldbau, Köhlerei und eine Ziegelei betrieben
1440
Das Gutsarchiv Zeutsch lagerte in Winzerla und umfasste Dokumente aus 400 Jahren
1926 erwarb die Familie von Kessel das vollständige Archiv
1443
Lehnsbriefe von den Herzögen von Sachsen
Sedelhof Zeutsch & Sedelhof Winzerla
Sedelhöfe = Sattelhöfe = spätere Rittergüter
Zu Kriegszeiten mussten Sedelhöfe einen berittennen Mann stellen
1483
Vorwerk Winzerla
1698
Gut Winzerla
Winzerla mit Bornteich, Baumgärten und 7 Hufe Land (ca. 60ha)
Ein Lehnsbrief wurde vermutlich eingezogen, nachdem Hans Bastian von Kessel in der Leuchtenburg einsaß und zum Abhacken der rechten Hand verurteilt wurde. 1698 (zeitgleich) geht das Lehen über das Gut Winzerla an den Pfarrer Andreas Ehrenberger aus Großeutersdorf über
Das Lehen über die dazugehörigen Äcker wird dem Sohn von Kessel überlassen
1733
wird Gut Winzerla vom Freiherrn von Bachoff von Echt gekauft
1742
...von den 4 Söhnen nach Ableben übernommen. Erbauung des Gesindehauses
1744
Ein von Kessel erwirb das Gut zurück
1799
Die Rittergüter Zeutsch und Winzerla werden vom Altenburgnischen Oberst Carl Friedrich von Kessel an Wolfgang Heinrich Lärz verkauft (Bauerngeschlecht aus Heilingen)
Teilung von Rittergut Zeutsch und Gut Winzerla auf je eine Tochter. Beide Töchter haben einen der Gebrüder Antemann geheiratet.
1953
Anordnung der DDR, dass Familie Antemann binnen eines Tages das Gut verlassen muss. Das Gut dient der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) "Neues Leben" Orlamünde als Rinder- und Schweinemastbetrieb
1964
Gut Winzerla wird von der LPG an das Volkseigene Gut (VEG) Mertendorf, Kreis Eisenberg verkauft
1989
Rückgabe des Gehöfts an Familie Antemann
Die Gebäude befinden sich im baufälligem Zustand
1996
Verkauf an Eheleute Ursula & Helge Spillmann
Langjährige Sanierung des Ensembles und Parks im englischen Gartenstil
Anlage von Streuobstwiese, Biotop, Kunstfiguren und Skulpturen
Öffnung des Landschaftsparks für Besucher und Teilnahme an "Offene Gärten in Thüringen"
2026
Das Ensemble Gut Winzerla wird von Familie Max & Christa Güther übernommen
Großmutter Anneliese Güther lernte auf Gut Winzerla zu DDR-Zeiten ihren Mann Rainer Güther kennen und daher besteht in der Familie seit langen Jahren eine Verbindung zu diesem Ort
Haupthaus des Rittergutes
Im Jahre 1996
Nach der Bewirtschaftung durch die LPG/VEG als Schweine und Rindermast war das Gut sichtbar heruntergewirtschaftet.
1083
bis
2026
Bilder und Berichte aus bald einem Jahrtausend
Das Geschlecht von Kessel hat über Jahrhunderte das Hofgut geprägt und ihre Geschichte detailliert archiviert. Die die Zeit in Winzerla betreffenden Berichte sind dem Familienarchiv entnommen. Wir haben es Ihnen und deren Ahnen zu verdanken, wenn wir heute in diesem Schatz stöbern dürfen. Weitere Quellen finden sich aus Sammlungen der Familie Spillmann und Berichten von Zeitzeugen.

Titelblatt der Historie von Kessel mit Siegel

Siegel und Namenszüge aus der Zeit 1600-1700

Abdrücke der Siegelringe und Unterschriften zum Erbvergleich der Brüder Hans d. Ä. und Hans d. J. 1569
Sehenswürdigkeiten und Aussichtspunkte
Historische Rundwanderung um Winzerla
Auszüge aus: Jürgen Weyer (02.05.2021), Beschreibung von Sehenswürdigkeiten und Aussichtspunkten auf der Rundwanderung Zeutsch-Winzerla-Bielerturm-Orlamünde-Zeutsch, 12 km
Orlamünde
Orlamünde (die Oberstadt, 250 m ü.NN) erstreckt sich schmal und langgezogen auf einem steilen Bergkamm, etwa 80 m über der Saale. Zur Stadt zählen noch Naschhausen (die Unterstadt im Saaletal, 170 m ü.NN) und der Weiler Winzerla. Mit einer Fläche von 758 ha und ihren 1.140 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2015) zählt sie zu den kleinsten Städten Thüringens. Der
Ursprung der Stadt war die Grenzburg Orlamünde, der Stammsitz der Grafen von Orlamünde. Das Grafengeschlecht errichtete die Burg im 11. Jahrhundert; im 15. Jahrhundert wurde sie aufgegeben und verfiel. Heute existiert von der Burg nur noch die Kemenate als ehemaliger Kernbau der Burganlage, in der der Burgverein ein kleines Geschichtsmuseum eingerichtet hat. Unmittelbar neben der Burg liegt die Stadtkirche St. Marien, die auch im 11. Jahrhundert durch die Grafen von Orlamünde erbaut wurde. Die Kirche war die Urkirche der Umgebung, zu der 22 Tochterkirchen in den Nachbardörfern gehörten. Der untere Teil des Kirchturmes soll aus dem 12. Jahrhundert stammen. Er wurde 1504 neu aufgestockt, aber die Turmhaube erst 1651 aufgesetzt. 1523 setzte der Pfarrer und Reformator Andreas Bodenstein, genannt „Karlstadt“, in Orlamünde die Reformation durch. Der ehemalige Professor an der Universität Wittenberg war Doktorvater und enger Mitstreiter von Martin Luther. Er zerstritt sich aber später mit diesem. Luther sorgte dafür, dass Karlstadt 1524 Orlamünde verlassen musste.
Der Ort Orlamünde wurde urkundlich 1039 erstmals erwähnt. Zu den historischen Wahrzeichen der Stadt gehören neben der Kemenate und der Stadtkirche das spätgotische Rathaus und das ehemalige Wilhelmitenkloster. Seit 1194 ist die älteste Mühle an der mittleren Saale, die Saalemühle, in Orlamünde bezeugt.
Bielerturm
(409 m ü.NN) auf dem Buchberg über Orlamünde wurde 1895 in nur wenigen Monaten erbaut. Finanziert wurde er durch eine Lotterie und durch Spenden. Er wurde damals nach dem Sieger der am 12.9.1870 stattgefundenen Schlacht bei Sedan „Kaiser-Wilhelm-Turm“ benannt. Das war in dieser Zeit in Deutschland allgemein üblich. Bis 1918 wurden im deutschsprachigen Raum mehr als 1000 Kaiser Wilhelm I – Denkmäler eingeweiht. Der damalige Baumeister und Architekt stammte aus Orlamünde. Er errichtete einen 14m hohen, über eine Wendeltreppe begehbaren Aussichtsturm mit Zinnen. Seit 1919 heißt er nach der Kaiserabdankung im Volksmund Bielerturm – wie die Flur des Buchberges, auf der er gebaut wurde. Am Ende des zweiten Weltkrieges brannte das innere Treppenhaus ab. Es wurde 1964 durch eine 60-stufige Treppe erneuert. Verständlicherweise ist der Turm aus Sicherheitsgründen nicht immer geöffnet. Aber zum jährlich stattfindenden Buchbergfest können Interessenten den Turm besteigen und die herrliche Turmaussicht auch in Westrichtung genießen. Sondertermine können über den Orlamünder Heimatverein vereinbart werden. Schöne Aussichten findet man aber auch an der wenige Schritte unterhalb des Turmes liegenden Matthes-Rasthütte. Interessant ist auch die Flora und Fauna am Buchberg. Je nach Jahreszeit zeigt die Natur zum Teil streng geschützte Pflanzen und Tiere. Im Frühjahr findet man viele Arten von Orchideen auf und am Muschelkalkberg, später die wunderbaren großen Silberdisteln. Besonders beeindruckend sind hier im Sommer auch seltene von Schnarrheuschrecken verursachte Geräusche. Schnarrend und klappernd fliegen diese beim Flug auffällig rot gefärbten Insekten auf und setzen sich – wieder fast unsichtbar- auf nahe gelegene Sträucher. Beim Abstieg vom Buchberg bietet sich an jeder Wegbiegung eine andere Aussicht. Vor allem der Blick in das Orlatal bis weit über Pößneck hinaus oder in das Dehnatal mit dem Walpersberg ist sehr reizvoll. Und über allem thront die Leuchtenburg mit dem Pfaffenberg und dem Dohlensteinfelsen..
Beutelsdorf
(200 m ü. NN, 148 Einwohner) liegt im unteren Wiedbach- bzw. Hexengrund, einem Nebental der Saale. Die Berge rechts und links des Tales gehören zur Saale-Ilm-Platte und sind grundwasserferne Muschelkalkverwitterungsböden. Die Tallagen sind Aueböden, die in welligen Ebenen anstehen. Verkehrsmäßig ist der Ort an die Landesstraße 2391 angeschlossen, die von Zeutsch (Saaletal) nach Großkochberg verläuft.
Der Ort wird urkundlich erstmals 1350 als Puzcelsdorf erwähnt. Geteilt wird das Straßendorf vom Wiedbach. Die kleine, denkmalgeschützte Kirche, deren Gründung im Jahre 1601 erfolgte, die ihr heutiges Aussehen aber erst im 19. Jahrhundert erhielt, ist mit einer Sandsteinmauer umfriedet. Am Wiedbach steht das alte Gemeindehaus mit Tanzsaal im Fachwerkstil. Es wurde nach 1990 vollständig rekonstruiert..
Röbschütz
Der Ort wird 1083 als „Robesiz“ (von slawisch „Leute eines Robek“) erstmals urkundlich erwähnt. Wie im Nachbardorf Heilingen zeugen prähistorische Bodenfunde von einer weitaus früheren Besiedlung. Bei ersten Grabungen des Archäologen Dr. Wilhelm Adler in den Jahren 1832 und 1833 in der Nähe des R.bschützer Teufelsgrabens, kamen mehrere Urnengräber, die von Steinkreuzen umgeben waren, aber auch Skelettgräber zum Vorschein. Diese Grabfunde lassen eine gesicherte Besiedlung für das 1. Jahrtausend v.u.Z. (vermutlich Hallstattzeit) sowie für das 8. – 10. Jahrhundert u.Z. erkennen.
Auch R.bschütz besitzt gepflegte alte Fachwerkhäuser. Denkmalschutz genießt das ehemalige Schäferhaus mit dem Wappenstein vom Jahre 1787, das mit der benachbarten steinernen W.lbbrücke über den Wiedbach ein sehenswertes Ensemble bildet. Aktive Vereine in dem kleinen Ort sind der Heimatverein Heilingen-R.bschütz e.V. und die Jagdhornbläser Hexengrund
Aus: Jürgen Weyer (02.05.2021), Beschreibung von Sehenswürdigkeiten und Aussichtspunkten auf der Rundwanderung Zeutsch-Winzerla-Bielerturm-Orlamünde-Zeutsch, 12 km





















